Vereins-Chronik


Über 50 Jahre FC Grün-Weiß Gröbenzell

Im Jahr 1964, dem Gründungsjahr des Vereins, war Gröbenzell gerade mal zwölf Jahre eigenständig. Zu dieser Zeit traf man sich in einem der wichtigsten Häuser der Nordseite, der Gaststätte "Grüner Baum", auf "an Ratsch" oder zum "Kartenspuin" und um über Gott und die Welt zu diskutieren.
Darunter auch der Dauerbrenner: Fußball

Als zufällig ein "Stammtischler" vom Daxerhof Olching an unserem Tisch saß und behauptete, dass sie den besseren Fußball spielen würden, beschloss man noch am selben Abend ein "Stammtisch gegen Stammtisch-Freundschaftsspiel". So wurde zunächst die "Grüner Baum-Stammtisch-Mannschaft" ins Leben gerufen. Viele von uns hatten vom aktiven Fußballspielen wenig Ahnung, so kam man daraufhin mit über 20 Leuten zum ersten Training auf der sog. Mändelewiesen, zwischen Weiherweg und Graßlfinger Straße, zusammen. Das Spiel gegen die "Stammtischler vom Daxerhof" entschied man mit 5:3 für sich und wir hatten Spaß daran gefunden. Es wurden noch einige Spiele gegen andere Stammtischmannschaften organisiert, doch mit der Zeit wurde es immer schwieriger einen Gegner aufzutreiben, weil sich viele ehemalige Freizeitmannschaften zwischenzeitlich an den Punktspielrunden des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) beteiligten. Es blieb daher nichts anderes übrig, als einen Verein nach Vorgaben des BFV zu gründen, um selbst an der Punktrunde teilnehmen und weiterhin Fußballspielen zu können.

Nachdem die Formalitäten zur Vereinsgründung erläutert waren, wurde abgestimmt und die Gründung eines Vereins befürwortet. Wesentliche Dinge mussten bis zur Gründungssitzung aber noch geklärt werden:

Spielstätte, Vereinsname und -wappen

Die Suche nach Vereinsnamen und -wappen, übernahmen Ludwig Holzmair und Adam Hohmann. Als die Wappenformen und Farben der Fußballvereine in der Nachbarschaft erkundet waren, um Verwechslungen zu vermeiden, erarbeiteten die Beiden einen Vorschlag, der ganzheitlich akzeptiert wurde. Somit fehlte noch eine geeignete Spielstätte. Seitens der Gemeinde war dahingehend keine Hilfe zu erwarten, da man dort einhellig der Meinung war, die bestehende Fußballabteilung des 1. SC Gröbenzell sei für unseren Ort ausreichend.

Doch etwas Glück gehört eben auch dazu. Ein gern gesehener Stammgast in der Gaststätte "Grüner Baum", war der allseits bekannte Bauer Georg Ach, ein langjähriges Mitglied im Interessen- und vielen anderen Vereinen sowie in den Jahren um 1956 auch im Gemeinderat tätig. Zufällig saß ebendieser am Stammtisch, als wie so oft über das Thema Fußballplatz diskutiert wurde. Er machte uns das Angebot, seine Wiese am Dietschweg in Graßlfing zu pachten, um dort unseren eigenen Fußballplatz anzulegen. Für 200,-- Mark im Jahr pachtete man den Grund und hatte, nach einiger Arbeit, schließlich musste darauf ein bespielbares Feld mit etwas Infrastruktur geschaffen werden, damit einen Fußballplatz und auch die letzte Hürde genommen. Von den 21 Gründungsmitgliedern wurden zum allerersten Vereinsvorstand Erich Windisch, zum Kassier Hans Fischer und als Schriftführer Herbert Eigemann mit Ludwig Holzmair gewählt. Als monatlichen Mitgliedsbeitrag beschloss man 1,50 Mark.

Jetzt konnten wir unseren Fußballverein gründen, den

Fußball Club Grün-Weiß Gröbenzell.

Alsbald wurde der neue Verein beim BFV zur Punktspielrunde angemeldet und die Spielerpässe angefordert.

Wir Grün-Weißen, von manchen herablassend als "Mösler Verein" betitelt, waren schnell für den kameradschaftlichen Zusammenhalt bekannt. Sicherlich mit ein Grund dafür, dass wir in den darauf folgenden Monaten einige gute Spieler von den Nachbarvereinen und auch etliche Gönner und Förderer als Mitglieder gewinnen konnten.

Bei der Mitgliederversammlung 1965 wurde Günter Häusler zum 1. Vorstand gewählt. Trainer blieb, wie schon bei unserer "Grüner Baum-Stammtisch-Mannschaft" Erich Windisch. 1966 wählten die Mitglieder Hans Fischer zum Vorstand und das Amt des Kassiers übernahm Kurt Schäffer.

Mit druckfrischen Spielerpässen und neuen Trikots in den Vereinsfarben Grün und Weiß ausgestattet, starteten wir in der C-Klasse Kreis Dachau in unsere erste Punktrunde und die nächsten Jahre konnten wir uns auch überregional durch unsere Pokalturniere einen Namen machen.

Im Frühjahr 1967 wurde der, von allen Mitgliedern geachtete Frisörmeister, Emil Poffo zum 1. Vorstand und ein Jahr darauf, bei den Neuwahlen 1968, der Spenglermeister Rudolf Rofner zum Vereinsvorsitzenden gewählt.

Anlässlich der Mitgliederversammlung – anno 1971 – bestimmte man Georg "Schorsch" Mittermeier zum 1. Vorstand. In dieser Zeit baute Helmut Hartig, als erster Jugendleiter, eine Jugendabteilung auf, von der Grün-Weiß über zwei Jahrzehnte lang profitieren konnte und auch Martin "Marte" Kurz entpuppte sich in seiner Funktion als technischer Leiter als absoluter Glücksgriff.

Jahre später und nachdem uns die Baugenehmigung für ein neues Sportheim am Dietschweg versagt blieb folgten wir 1983 dem Vorschlag der Gemeinde, gemeinsam mit dem 1. SC Gröbenzell die neue Gröbenzeller Sport- und Freizeitanlage am Wildmoos zu nutzen.

Wir hatten nun zwar moderne Umkleide- und Duschräume und einen neuen Fußballplatz mit Flutlicht, doch der Umzug brachte uns auch dem 1. SC viel zu nahe, was sich bei der Nachwuchsarbeit bald bemerkbar machen sollte. Immer wieder wurden uns Kinder abgeworben und die bis dahin mittlerweile über Jahre von Richard Weishäupl erfolgreich geführte Jugendabteilung fiel immer weiter auseinander. Als er sich schließlich nicht mehr als Jugendleiter zur Verfügung stellte und auch keine Betreuer mehr gefunden wurden, musste die Jugendabteilung gänzlich aufgelöst werden, weshalb wir letztmalig 1984 eigene A-Jugend-Spieler dem Kader der 1. Mannschaft zuführen konnten.

Irene Heinrich, Tochter des langjährigen Jugendleiters und damaligen Fußballabteilungsleiters Richard Weishäupl, erkannte schon früh, dass sich der Verein ohne Jugendarbeit auf sein Ende zu bewegt und forderte immer wieder den erneuten Aufbau einer Jugendabteilung, da kein Verein ohne Nachwuchs über lange Zeit existieren kann.

1991 rief das Ehepaar Heinrich wieder eine Jugendabteilung ins Leben. Zunächst trainierte Christian Heinrich acht Buben völlig unterschiedlichen Alters.

Im April 1992 dann der Durchbruch. Spieler und Vorstandschaft warben mit großem persönlichen Einsatz für einen Schnuppertag und zum angekündigten Termin erschienen 21 Kinder. Im September desselben Jahres konnten wir bereits die erste F-Jugend-Mannschaft in den Punktspielbetrieb schicken. Nur ein Jahr später meldeten wir eine F2 dazu und die F1 wurde sogar Meister in ihrer Spielgruppe. 1993 veranstalteten wir bereits wieder ein erstes Jugendturnier.

Zwar konnten wir in der Folge stetigen Zuwachs verzeichnen, doch der Wiedereinstieg in die Jugendarbeit kam einfach zu spät. Es sollte noch Jahre dauern, bis aus der eigenen Jugend wieder ein Spieler in der ersten Mannschaft auflaufen hätte können, was dazu führte, dass zuerst die AH abgemeldet werden musste und wenig später dann die 2. Mannschaft zurückgezogen wurde. Letztlich mussten wir 1997 auch unsere 1. Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden, denn unsere letzten "Herz und Seele-Grün-Weißen", die 1984 noch aus der eigenen A-Jugend kamen, waren mittlerweile in einem Alter, in dem einfach nicht mehr mit den jungen Gegnern mitgehalten werden konnte.

Irene Heinrich's Zielsetzung war klar:

"Aus der eigenen Jugend wieder eine erste Mannschaft aufbauen!"

Doch Jugendarbeit braucht Zeit.

Wir veranstalteten Turniere, machten jährlich unsere Vereinsfahrten mit den Kindern und so gelang uns ein stetes Heranwachsen von eigenem Nachwuchs. Kleine Herzen schlugen wieder für Grün-Weiß – und sie wurden groß. Nach sechs langen Jahren konnten wir für die Saison 2000/01 endlich wieder eine A-Jugend zum Spielbetrieb melden.

Unseren langjährigen Freund und früheren Spielertrainer "Franky" Mühlmann baten wir, die Jungs zu übernehmen und mit ihnen eine 1. Mannschaft aufzubauen. Er zögerte nicht lange und stellte sich für die schwierige Aufgabe zur Verfügung. Mit seiner Hilfe gelang es uns tatsächlich zur Saison 2001/02 wieder eine 1. Herrenmannschaft in die Punktrunde zu schicken.

Mit ihm als Spielertrainer, sechs A-Jugend-Spielern sowie einigen ehemaligen GW-Spielern und mit Unterstützung aus der vereinseigenen Freizeitmannschaft wurde in die erste Saison seit langem gestartet. Zu unser aller Überraschung wäre gleich im Einstiegsjahr beinahe der Aufstieg gelungen. Wir waren am Ende punktgleich auf dem 2. Platz mit dem BVTA Fürstenfeldbruck, verloren dann aber leider das Relegationsspiel. Es war wahrlich eine Meisterleistung vom "Franky", unter den gegebenen Umständen eine funktionierende und zugleich auch erfolgreiche Mannschaft zu formen.

2003 wurde dann ein Trainerwechsel notwendig. Für "Franky", der wegzog, kam "Django" Stanculovic als Spielertrainer zu Grün-Weiß. Mit ein paar Verstärkungen im Gepäck führte "Django" uns pünktlich zum 40. Vereinsjubiläum zum ersten Aufstieg in der Vereinsgeschichte. Diese Meisterschaft wurde mit 100 Saisontoren besiegelt und gebührend gefeiert!

Seit der Saison 2004/05 haben wir auch wieder eine 2. Herrenmannschaft zur Punktrunde gemeldet und nach mehreren Jahren der Konsolidierung wird nun vermehrt auf unsere ehemaligen Jugendspieler und Trainer mit langjähriger Grün-Weiß-Erfahrung gesetzt, die unseren Fußballverein auch im Herzen tragen.

2014 bis 2016 hatten wir erstmals in der Vereinsgeschichte sogar drei Herrenmannschaften im Spielbetrieb. Besonders erfreulich dabei, dass der Großteil der Spieler aus den A-Jugenden der vergangenen Jahre stammt.

Durch unsere bekannt gute Jugendarbeit, dank hervorragender, engagierter Trainer und Jugendleiter, die immer ein offenes Ohr für Anliegen aller Art haben, können wir seit längerer Zeit im Jugendbereich einen ansteigenden Zulauf verzeichnen, weshalb der FC Grün-Weiß Gröbenzell in der Saison 2017/18, neben den beiden Herrenmannschaften, im Jugendbereich von der C- bis zur F-Jugend zwölf Teams, davon auch zwei Mädchenmannschaften (C- und D-Juniorinnen), im Spielbetrieb hat. Zudem stellen wir momentan zwei G-Jugenden, bei denen Spaß und Bewegung im Vordergrund stehen, um sie kindgerecht und ohne Druck an den Fußball heranzuführen.

Auch unsere lange und beliebte Winter- sowie Sommerturniertradition, trägt einen enormen Anteil dazu bei, dass wir uns mittlerweile über die örtlichen Grenzen hinaus einen guten Namen machen konnten.

Wir sind guter Dinge, dass wir in den nächsten Jahren somit die derzeit noch bestehende Lücke zwischen Jugend- und Seniorenfußball wieder vollends schließen können.

 


Unser herzlicher Dank gilt Adam Hohmann und Birgit Kaubitzsch, die mit ihren Erinnerungen maßgeblich zur Vereins-Chronik beigetragen haben.